Berufspolitisches

Anstellungsbedingungen delegiert arbeitender PsychotherapeutInnen

Ein Wechsel ist zwar erstmals seit Jahrzehnten am Horizont sichtbar. Aber bis jetzt können PsychotherapeutInnen ihre Leistungen nicht selbständig über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnen – und dies trotz langjährigem und profundem Studium. Möchten sie dennoch über die Grundversicherung abrechnen, zum Beispiel um auch weniger bemittelten

KlientInnen eine psychotherapeutische Behandlung zu ermöglichen, ist dies nur möglich, indem sie sich von einer Ärztin / einem Arzt anstellen lassen und unter deren Aufsicht und in deren Räumlichkeiten praktizieren: die sogenannte delegierte Psychotherapie. Diese berufspolitische Zwangslage bietet eine Chance für eine fruchtbare und bereichernde Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und psychologischen PsychotherapeutInnen; sie birgt aber auch das Risiko, dass

ÄrztInnen dieses Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Gunsten ausnutzen.

Der VPB hat zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe gegründet, die im Sommer 2019 eine anonymisierte Online-Umfrage zur Anstellungs- und Lohnzufriedenheit der delegiert arbeitenden PsychotherapeutInnen in Basel-Stadt und Baselland durchführen wird. Ein in die Umfrage eingebautes Lohnkalkulationstool soll dafür sensibilisieren, dass die Delegation mit Kosten

für den Arzt/die Ärztin verbunden ist und dass diese Kosten selbstverständlich auf die ArbeitnehmerInnen abgewälzt werden dürfen. Schliesslich sollen den ArbeitgeberInnen keine Verluste durch ihre ArbeitnehmerInnen entstehen. Ob und wieviel sie anderseits an ihren ArbeitnehmerInnen verdienen – und wie sich dies auf die Zufriedenheit der delegiert Arbeitenden auswirkt – soll in der Umfrage erhoben werden.

Wir hoffen auf eine grosse Teilnahme und Unterstützung der delegiert arbeitenden PsychotherapeutInnen, um aus einem repräsentativen Resultat den Handlungsbedarf abschätzen zu können.

Kontakt: Gassan Gradwohl

Sexuelle Übergriffe in Psychotherapien

Sexualität ist ein zentraler Teil des Lebens und oft ein wichtiges Thema in einer Psychotherapie, aber genau deswegen haben sexuelle Handlungen in einer Therapie keinen Platz. Es liegt zu 100 % in der Verantwortung der TherapeutInnen, dafür zu sorgen, dass alles zur Sprache kommen kann, was die PatientInnen beschäftigt, aber nur das: Es soll Thema sein, gedacht, besprochen, verstanden und weiterentwickelt werden oder auch als unverständlich, "fremd in mir drin" denkbar werden. Der Raum der Psychotherapie braucht Schutz vor Handlungen, und die ethischen Richtlinien der Berufs-verbände lassen hier keinen Spielraum.

 

Juristisch gibt es trotzdem Lücken, vor allem, was die vom Strafgesetz erfassbaren Aspekte und die Möglichkeit zur Meldung an die Bewilligungsbehörde betrifft. Immerhin hat das Bundesgericht 1998 und 2004 (BGE 6S.381/2004) Grundsatzentscheide dazu gefällt, die die in einer Psychotherapie entstehende Vertrauensbeziehung sichern. Mitglieder des VPB und der Fachgruppen Psychiatrie Baselland und Basel-Stadt versuchten seit Herbst 2003 auf unsere Initiative hin, im Gespräch mit RichterInnen, Kantonsärzten, Ermittlungsbehörden und Institutionen zu klären, wo die psycho-therapeutische und die juristische Verwendung von Wörtern wie Beziehung, Abhängigkeit, Ausnützung sich unterscheiden und wie das geschützt werden kann, was in einer Psychotherapie geschieht. Mit den Kantonsärzten haben wir ein Verfahren erarbeitet, wie vermutete Täter auch dann zur Rede gestellt werden können, wenn die PatientInnen den juristischen Weg scheuen. In zwei Veranstaltungen für die Mitglieder aller Verbände haben wir uns damit befasst, wie wir "unter Kollegen" mit Grenzverletzungen umgehen und wie wir auf Gerüchte reagieren.

Im September 2014 hat die Arbeitsgruppe ihr Mandat an die Vorstände zurückgegeben. Am 26. März 2015 hat die Generalversammlung des VPB beschlossen, in Zusammenarbeit mit Mitgliedern anderer Verbände eine neue AG zu gründen, die Gerüchte über sexuelle Übergriffe in Psychotherapien entgegennimmt.

 

Kontakt: Peter Schwob 

Hier können Sie den letzten Jahresbericht der Aufmerksamkeitsgruppe, das Merkblatt "Vorgehen bei sexuellen Uebergriffen in Psychotherapien" und den Text zur Beendigung der Gruppe anfordern. 

Fokus Psychische Gesundheit Basel-Stadt

Der VPB arbeitet in der Fachbegleitgruppe des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit Basel-Stadt mit. Es orientiert sich am Bündnis Depression, wie es schon in mehreren Städten läuft. Sein Ziel ist es, psychische Krankheiten zu enttabuisieren und sowohl Betroffenen als auch ihren Angehörigen leichteren Zugang zu Unterstützung zu verschaffen. Neben Plakataktionen gibt's verschiedene Veranstaltungen: Vorträge, Filme, Diskussionen, Konzerte, Lesungen. Näheres siehe www.allesgutebasel.ch

Bündnis gegen Depression Baselland

Ebenfalls Partner-Organisation sind wir beim Bündnis gegen Depression Baselland. Es steht noch im Aufbau und wird betreut von Tel. 143.

www.buendnis-gegen-depression-bl.ch