Berufspolitisches


Anstellungsbedingungen delegiert arbeitender PsychotherapeutInnen

Ein Wechsel ist zwar erstmals seit Jahrzehnten am Horizont sichtbar: Der Bundesrat hat Ende Juni 2019 den Entwurf zu einer Verordnung in die Vernehmlassung geschickt, nach der PsychotherapeutInnen selbständig über die Krankenkasse abrechnen könnten, auf Anordnung eines Arztes. Aber bis jetzt und bis die neue Regelung in Kraft tritt, der wir ziemlich skeptisch gegenüberstehen, können PsychotherapeutInnen ihre Leistungen nicht selbständig über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnen – und dies trotz langjährigem und profundem Studium. Möchten sie dennoch über die Grundversicherung abrechnen, zum Beispiel um auch weniger bemittelten KlientInnen eine psychotherapeutische Behandlung zu ermöglichen, ist dies nur möglich, indem sie sich von einer Ärztin / einem Arzt anstellen lassen und unter deren Aufsicht und in deren Räumlichkeiten praktizieren: die sogenannte delegierte Psychotherapie. Diese berufspolitische Zwangslage bietet eine Chance für eine fruchtbare und bereichernde Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und psychologischen PsychotherapeutInnen; sie birgt aber auch das Risiko, dass ÄrztInnen dieses Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Gunsten ausnutzen.

 

Der VPB hat zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe gegründet, die im Sommer 2019 eine anonymisierte Online-Umfrage zur Anstellungs- und Lohnzufriedenheit der delegiert arbeitenden PsychotherapeutInnen in Basel-Stadt und Baselland durchgeführt hat. Ein in die Umfrage eingebautes Lohnkalkulationstool soll dafür sensibilisieren, dass die Delegation mit Kosten für den Arzt/die Ärztin verbunden ist und dass diese Kosten selbstverständlich auf die ArbeitnehmerInnen abgewälzt werden dürfen. Schliesslich sollen den ArbeitgeberInnen keine Verluste durch ihre ArbeitnehmerInnen entstehen. Ob und wieviel sie anderseits an ihren ArbeitnehmerInnen verdienen – und wie sich dies auf die Zufriedenheit der delegiert Arbeitenden auswirkt – wurde in der Umfrage erhoben. Zurzeit läuft die Auswertung.

Kontakt: Gassan Gradwohl


Sexuelle Übergriffe in Psychotherapien

Sexualität ist ein zentraler Teil des Lebens und oft ein wichtiges Thema in einer Psychotherapie, aber genau deswegen haben sexuelle Handlungen in einer Therapie keinen Platz. Es liegt zu 100 % in der Verantwortung der TherapeutInnen, dafür zu sorgen, dass alles zur Sprache kommen kann, was die PatientInnen beschäftigt, aber nur das: Es soll Thema sein, gedacht, besprochen, verstanden und weiterentwickelt werden oder auch als unverständlich, "fremd in mir drin" denkbar werden. Der Raum der Psychotherapie braucht Schutz vor Handlungen, und die ethischen Richtlinien der Berufs-verbände lassen hier keinen Spielraum.

 

Juristisch gibt es trotzdem Lücken, vor allem, was die vom Strafgesetz erfassbaren Aspekte und die Möglichkeit zur Meldung an die Bewilligungsbehörde betrifft. Immerhin hat das Bundesgericht 1998 und 2004 (BGE 6S.381/2004) Grundsatzentscheide dazu gefällt, die die in einer Psychotherapie entstehende Vertrauensbeziehung sichern. Mitglieder des VPB und der Fachgruppen Psychiatrie Baselland und Basel-Stadt versuchten seit Herbst 2003 auf unsere Initiative hin, im Gespräch mit RichterInnen, Kantonsärzten, Ermittlungsbehörden und Institutionen zu klären, wo die psycho-therapeutische und die juristische Verwendung von Wörtern wie Beziehung, Abhängigkeit, Ausnützung sich unterscheiden und wie das geschützt werden kann, was in einer Psychotherapie geschieht. Mit den Kantonsärzten haben wir ein Verfahren erarbeitet, wie vermutete Täter auch dann zur Rede gestellt werden können, wenn die PatientInnen den juristischen Weg scheuen. In zwei Veranstaltungen für die Mitglieder aller Verbände haben wir uns damit befasst, wie wir "unter Kollegen" mit Grenzverletzungen umgehen und wie wir auf Gerüchte reagieren.

Im September 2014 hat die Arbeitsgruppe ihr Mandat an die Vorstände zurückgegeben. Am 26. März 2015 hat die Generalversammlung des VPB beschlossen, in Zusammenarbeit mit Mitgliedern anderer Verbände eine neue AG zu gründen, die Gerüchte über sexuelle Übergriffe in Psychotherapien entgegennimmt.

 

Kontakt: Peter Schwob 

Hier können Sie den letzten Jahresbericht der Aufmerksamkeitsgruppe, das Merkblatt "Vorgehen bei sexuellen Uebergriffen in Psychotherapien" und den Text zur Beendigung der Gruppe anfordern. 


Fokus Psychische Gesundheit Basel-Stadt

Der VPB arbeitet in der Fachbegleitgruppe des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit Basel-Stadt mit. Es orientiert sich am Bündnis Depression, wie es schon in mehreren Städten läuft. Sein Ziel ist es, psychische Krankheiten zu enttabuisieren und sowohl Betroffenen als auch ihren Angehörigen leichteren Zugang zu Unterstützung zu verschaffen. Neben Plakataktionen gibt's verschiedene Veranstaltungen: Vorträge, Filme, Diskussionen, Konzerte, Lesungen. Näheres siehe www.allesgutebasel.ch


Bündnis gegen Depression Baselland

Ebenfalls Partner-Organisation sind wir beim Bündnis gegen Depression Baselland. Es steht noch im Aufbau und wird betreut von Tel. 143.

www.buendnis-gegen-depression-bl.ch


Projekt "Versorgungspfade in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen"

Unter Federführung des Schulpsychologischen Dienstes Basel-Stadt startet im Sommer 2019 eine Forschungsarbeit, die vom BAG finanziert wird. Wir beteiligen uns, indem wir InterviewpartnerInnen vermitteln.

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Prävention psychosozialer Belastungsfolgen in der Somatik: Ein Modellprojekt zur kollaborativen Versorgung

Dieses Forschungsprojekt wird vom Gesundheitsdepartement Basel-Stadt geführt und von der Gesundheitsförderung Schweiz finanziert. Der VPB gehört zur Fokusgruppe "Schnittstellen", zusammen mit der UPK, HausärztInnen, Psychiaterinnen, Apothekerinnen.

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Psychiatrie-Konzept BS-BL

Am 24. Juni stellten die Projektleiter der Gesundheitsdepartemente BS und BL ihren Plan vor, wie bis 2023 ein neues, für beide Halbkantone gültiges Psychiatriekonzept entstehen soll. Nötig wurde es, weil das Volk im Februar zwar die Fusion der Spitäler abgelehnt, aber einer gemeinsamen Spitalplanung zugestimmt hatte. Wir reden mit - und das wird schwierig, weil die versammelten Fachleute einerseits als Experten für den aktuellen und zukünftigen Bedarf angesprochen sind und anderseits die Bedürfnisse ihrer Institution zu vertreten haben.

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Kann die KIS im Unispital bleiben?

Wie zu hören ist, will die Leitung des Universitätsspitals im Zuge des Umbaus an der Schanzenstrasse die Kriseninterventionsstation, die die UPK dort betreibt, schliessen - aus Platzmangel.  In einem Brief haben wir den USB-Spitaldirektor, den Verwaltungsratspräsidenten und den Gesundheitsdirektor BS auf die aus sozialpsychiatrischer Sicht wichtige Funktion der KIS innerhalb der abgestuften Zugangsmöglichkeiten hingewiesen - analog zu unserem Engagement für die Kinder- und Jugendpsychiatrie im Herzen der Stadt, 2012 - 2016. Vorerst haben wir die beruhigende Antwort erhalten, man suche weiterhin den Dialog mit der UPK, damit die KIS zentral untergebracht bleiben könne.

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