Berufspolitisches

Sexuelle Übergriffe in Psychotherapien

Sexualität ist ein zentraler Teil des Lebens und oft ein wichtiges Thema in einer Psychotherapie, aber genau deswegen haben sexuelle Handlungen in einer Therapie keinen Platz. Es liegt zu 100 % in der Verantwortung der TherapeutInnen, dafür zu sorgen, dass alles zur Sprache kommen kann, was die PatientInnen beschäftigt, aber nur das: Es soll Thema sein, gedacht, besprochen, verstanden und weiterentwickelt werden oder auch als unverständlich, "fremd in mir drin" denkbar werden. Der Raum der Psychotherapie braucht Schutz vor Handlungen, und die ethischen Richtlinien der Berufs-verbände lassen hier keinen Spielraum.

 

Juristisch gibt es trotzdem Lücken, vor allem, was die vom Strafgesetz erfassbaren Aspekte und die Möglichkeit zur Meldung an die Bewilligungsbehörde betrifft. Immerhin hat das Bundesgericht 1998 und 2004 (BGE 6S.381/2004) Grundsatzentscheide dazu gefällt, die die in einer Psychotherapie entstehende Vertrauensbeziehung sichern. Mitglieder des VPB und der Fachgruppen Psychiatrie Baselland und Basel-Stadt versuchten seit Herbst 2003 auf unsere Initiative hin, im Gespräch mit RichterInnen, Kantonsärzten, Ermittlungsbehörden und Institutionen zu klären, wo die psycho-therapeutische und die juristische Verwendung von Wörtern wie Beziehung, Abhängigkeit, Ausnützung sich unterscheiden und wie das geschützt werden kann, was in einer Psychotherapie geschieht. Mit den Kantonsärzten haben wir ein Verfahren erarbeitet, wie vermutete Täter auch dann zur Rede gestellt werden können, wenn die PatientInnen den juristischen Weg scheuen. In zwei Veranstaltungen für die Mitglieder aller Verbände haben wir uns damit befasst, wie wir "unter Kollegen" mit Grenzverletzungen umgehen und wie wir auf Gerüchte reagieren.

Im September 2014 hat die Arbeitsgruppe ihr Mandat an die Vorstände zurückgegeben. Am 26. März 2015 hat die Generalversammlung des VPB beschlossen, in Zusammenarbeit mit Mitgliedern anderer Verbände eine neue AG zu gründen, die Gerüchte über sexuelle Übergriffe in Psychotherapien entgegennimmt.

 

Kontakt: Peter Schwob 

Hier können Sie den letzten Jahresbericht der Aufmerksamkeitsgruppe, das Merkblatt "Vorgehen bei sexuellen Uebergriffen in Psychotherapien" und den Text zur Beendigung der Gruppe anfordern. 

Fokus Psychische Gesundheit Basel-Stadt

Der VPB arbeitet in der Fachbegleitgruppe des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit Basel-Stadt mit. Es orientiert sich am Bündnis Depression, wie es schon in mehreren Städten läuft. Sein Ziel ist es, psychische Krankheiten zu enttabuisieren und sowohl Betroffenen als auch ihren Angehörigen leichteren Zugang zu Unterstützung zu verschaffen. Neben Plakataktionen gibt's verschiedene Veranstaltungen: Vorträge, Filme, Diskussionen, Konzerte, Lesungen. Näheres siehe www.allesgutebasel.ch

Ein Kompromiss für die Kinder- und Jugendpsychiatrische Poliklinik Basel!

Anfangs 2012 war in der Zeitung zu lesen, das Gesundheitsdepartement habe einen Architektur-Wettbewerb für einen Neubau der kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik und Poliklinik Basel-Stadt ausgeschrieben. Dass die KJPK räumlich beengt und ihre Standorte über die Stadt verteilt waren, wussten auch die niedergelassenen PsychiaterInnen und PsychotherapeutInnen, viele aus eigener Anschauung  in der Assistenzzeit, und es war klar, dass eine Aenderung anstand. Mit dem vor-gesehenen neuen Standort auf dem Areal der Universitären Psychiatrischen Klinik für Erwachsene, gerade neben der Forensik, in Sichtweite von Kehrichtverbrennung und Casino, konnten wir uns aber ebensowenig anfreunden wie mit der Tatsache, dass wir ein weiteres Mal (nach der Psychiatrie-Ueberprüfung und früher dem Psychiatrie-Konzept) nicht mit einbezogen worden waren. Therapeuten- und Elternverbände bildeten daraufhin eine Arbeitsgruppe, schrieben einen Brief an Regierungsrat Conti, unterstützten mehrere Interpellationen im Grossen Rat und starteten eine Petition, die von gut 1200 Personen unterschrieben, aber nur beiläufig beantwortet wurde.

Die Gruppe wurde von der Psychiatriekommission Basel-Stadt mandatiert, mit der Leitung der KJPK über das Konzept der KJPK und den Standort des Neubaus zu verhandeln, und es fanden mehrere Besprechungen in grosser Runde statt. Was herausschaute, war immerhin die Sistierung des Baus am vorgesehenen Standort und ein (unserer Ansicht nach untauglicher) Kompromiss, nämlich dessen Verlegung in die Eingangszone der UPK, immer noch auf dem Klinik-Gelände. Wir wünschten der Kinder- und Jugendpsychiatrie einen Platz im Herzen der Stadt. Allerdings versandeten die Gespräche. Der neu gegründete Verein Kinder- und Jugendpsychiatrie im Herzen der Stadt lancierte darum im Dezember 2013 eine kantonale Verfassungsinitiative, die die Kinder- von der Erwachsenenpsychiatrie trennen und die KJPK im Zentrum der Stadt belassen wollte. Die Initiative kam mit 3470 Unterschriften zustande und  wurde am 17. September 2014  ein-gereicht . Dann waren der Regierungs- und der Grosse Rat an der Reihe, und wir verhandelten hinter den Kulissen.

 

Kurz vor der abschliessenden Beratung im Grossen Rat und der Volksabstimmung (und nach gefühlten tausend Sitzungen, Besprechungen und Texten) einigten sich am 3. März 2016 Klinik und InitiantInnen auf einen Kompromiss: Die Poliklinik zügelt nicht in den Neubau auf dem UPK-Areal, sondern bleibt in der Stadt, rückt sogar noch näher an ihr Herz, ins Gesundheitszentrum an der Kornhausgasse (Nähe Lyss); nur die stationären Angebote und die Forschung kommen zur UPK. Der Regierungsrat unterstützt das Abkommen. Dafür zieht das Initiativkomitee die Initiative zurück.

 

Alles in allem: Ein Lehrstück in Politisierung und Partizipation.

 

Kontakt und Dokumente: Verein Kinder- und Jugendpsychiatrie im Herzen der Stadt