Berufspolitisches


Anordnung statt Delegation?

Im Oktober 2019 endete die Vernehmlassungsfrist zum Anordnungsmodell, das nach dem Vorschlag des BAG und des Departementes von Bundesrat Berset die delegierte Psychotherapie ablösen soll, um die Versorgung zu verbessern. Neu sollen viele ÄrztInnen (insbesondere Haus- und Kinderärztinnen, nicht nur PsychiaterInnen) Psychotherapie bei psychologischen PsychotherapeutInnen anordnen können, die dann von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt wird. Auch wir haben dazu Stellung genommen, vorwiegend positiv; was uns Bauchweh macht, sind die kurzen Auftrags- und Berichtsintervalle  sowie die Evaluationsauflagen, die alle zu viel Administrationsaufwand und Unsicherheit  führen. Die Psychotherapie-Verbände sehen das alle ähnlich, und auch die HausärztInnen sind weitgehend mit dem Vorschlag einverstanden, ebenso SP und Grüne. Die Krankenkassen befürchten hingegen eine Mengenausweitung, sprich: Zusatzkosten; die FMH sieht die PsychiaterInnen missachtet; die Psychiatrie-Verbände bezweifeln die Kompetenz der psychologischen PsychotherapeutInnen; und die bürgerlichen Parteien wollen keine neuen Leistungserbringer.

Der Modellwechsel könnte vom Bundesrat in eigener Kompetenz beschlossen werden, ohne Mitsprache des Parlamentes; es ist aber derzeit völlig offen, was geschieht.

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Anstellungsbedingungen delegiert arbeitender PsychotherapeutInnen

Wir haben mittels einer anonymisierten Onlineumfrage Daten zu Lohn und Anstellungsbedingungen delegiert arbeitender PsychotherapeutInnen erhoben sowie zu deren Zufriedenheit mit ihren Arbeitsbedingungen. 116 (54.7 Prozent) der 212 angeschriebenen in Basel-Stadt oder Baselland delegiert tätigen PsychotherapeutInnen nahmen an der Umfrage teil. Die deskriptive Auswertung der verschiedenen Anstellungsbedingungen wird in dieser Arbeit erläutert. Ebenso wird der durchschnittliche Lohn der Befragten berichtet und zwecks Vergleichbarkeit in standardisierter Form veranschaulicht.

Den Delegierten im Stunden- oder Monatslohn (57.1 Prozent der Befragten) werden durchschnittlich 11.3 Prozent (Spannweite 0.3 bis 29.5 Prozent) ihres Bruttostundenansatzes von Fr. 136.05 für weitere, in der Umfrage nicht berücksichtigte Ausgaben – evtl. auch für eine Gewinnbeteiligung der delegierenden Person – abgezogen. Von den Delegierten, die weitgehend autonom ihre Finanzen regeln (42.9 Prozent der Befragten), geben 60.4 Prozent an, weder eine Delegations- noch eine Aufwandspauschale der delegierenden Person entrichten zu müssen. Die restlichen 39.6 Prozent dieser «autonomen Delegierten» geben eine Delegations- und/oder Aufwandspauschale von durchschnittlich 13.1 Prozent (Spannweite 1.5 bis 50.0 Prozent) ihres Umsatzes ab.

Die Zufriedenheit der delegiert arbeitenden PsychotherapeutInnen mit ihren Anstellungsbedingungen zeigt sich heterogen: Während die «autonomen Delegierten» im grossen Ganzen mit ihrem Lohn (im Rahmen der Möglichkeiten des Delegationsmodells), mit der Transparenz der Geschäftszahlen, mit der Arbeitsbeziehung zur und Zusammenarbeit mit der delegierenden Person zufrieden sind, fällt die Zufriedenheit der im Stunden- oder Monatslohn tätigen Delegierten bedeutend niedriger aus. Daraus ergibt sich ein deutlich stärkerer Wunsch der

Zweitgenannten, die Anstellungsbedingungen zu verbessern, wobei aber beide

Gruppen, die «autonomen Delegierten» wie auch die Delegierten im Stunden-/ Monatslohn, solidarisch eine gewerkschaftliche Organisierung mehrheitlich unterstützen würden.

Wir formulieren Empfehlungen zur guten Delegation, welche eine faire und beidseitig bereichernde Zusammenarbeit zwischen delegierenden ÄrztInnen und delegiert arbeitenden PsychotherapeutInnen fördern sollen.

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Die ganze Arbeit können Sie hier herunterladen:

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Sexuelle Übergriffe in Psychotherapien

Sexualität ist ein zentraler Teil des Lebens und oft ein wichtiges Thema in einer Psychotherapie, aber genau deswegen haben sexuelle Handlungen in einer Therapie keinen Platz. Es liegt zu 100 % in der Verantwortung der TherapeutInnen, dafür zu sorgen, dass alles zur Sprache kommen kann, was die PatientInnen beschäftigt, aber nur das: Es soll Thema sein, gedacht, besprochen, verstanden und weiterentwickelt werden oder auch als unverständlich, "fremd in mir drin" denkbar werden. Der Raum der Psychotherapie braucht Schutz vor Handlungen, und die ethischen Richtlinien der Berufsverbände lassen hier keinen Spielraum.

 

Juristisch gibt es trotzdem Lücken, vor allem, was die vom Strafgesetz erfassbaren Aspekte und die Möglichkeit zur Meldung an die Bewilligungsbehörde betrifft. Immerhin hat das Bundesgericht 1998 und 2004 (BGE 6S.381/2004) Grundsatzentscheide dazu gefällt, die die in einer Psychotherapie entstehende Vertrauensbeziehung sichern. Mitglieder des VPB und der Fachgruppen Psychiatrie Baselland und Basel-Stadt versuchten seit Herbst 2003 auf unsere Initiative hin, im Gespräch mit RichterInnen, Kantonsärzten, Ermittlungsbehörden und Institutionen zu klären, wo die psycho-therapeutische und die juristische Verwendung von Wörtern wie Beziehung, Abhängigkeit, Ausnützung sich unterscheiden und wie das geschützt werden kann, was in einer Psychotherapie geschieht. Mit den Kantonsärzten haben wir ein Verfahren erarbeitet, wie vermutete Täter auch dann zur Rede gestellt werden können, wenn die PatientInnen den juristischen Weg scheuen. In zwei Veranstaltungen für die Mitglieder aller Verbände haben wir uns damit befasst, wie wir "unter Kollegen" mit Grenzverletzungen umgehen und wie wir auf Gerüchte reagieren.

Im September 2014 hat die Arbeitsgruppe ihr Mandat an die Vorstände zurückgegeben. Am 26. März 2015 hat die Generalversammlung des VPB beschlossen, in Zusammenarbeit mit Mitgliedern anderer Verbände eine neue AG zu gründen, die Gerüchte über sexuelle Übergriffe in Psychotherapien entgegennimmt.

 

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Hier können Sie den letzten Jahresbericht der Aufmerksamkeitsgruppe, das Merkblatt "Vorgehen bei sexuellen Uebergriffen in Psychotherapien" und den Text zur Beendigung der Gruppe anfordern. 


Fokus Psychische Gesundheit Basel-Stadt

Der VPB arbeitet in der Fachbegleitgruppe des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit Basel-Stadt mit. Es orientiert sich am Bündnis Depression, wie es schon in mehreren Städten läuft. Sein Ziel ist es, psychische Krankheiten zu enttabuisieren und sowohl Betroffenen als auch ihren Angehörigen leichteren Zugang zu Unterstützung zu verschaffen. Neben Plakataktionen gibt's verschiedene Veranstaltungen: Vorträge, Filme, Diskussionen, Konzerte, Lesungen. Näheres siehe www.allesgutebasel.ch


Bündnis gegen Depression Baselland

Ebenfalls Partner-Organisation sind wir beim Bündnis gegen Depression Baselland.

www.buendnis-gegen-depression-bl.ch


Projekt "Versorgungspfade in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen"

Unter Federführung des Schulpsychologischen Dienstes Basel-Stadt startete im Sommer 2019 eine Forschungsarbeit, die vom BAG finanziert wird. Wir beteiligten uns, indem wir InterviewpartnerInnen vermittelten.

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Prävention psychosozialer Belastungsfolgen in der Somatik: Ein Modellprojekt zur kollaborativen Versorgung

Das Forschungsprojekt SomPsyNet wird vom Gesundheitsdepartement Basel-Stadt durchgeführt und von der Gesundheitsförderung Schweiz finanziert. Der VPB gehört zur Fokusgruppe "Schnittstellen", zusammen mit der UPK, HausärztInnen, Psychiaterinnen, Apothekerinnen. Anlässlich der Generalversammlung vom 6. Januar 2020 erörterte die Gruppe, wie PatientInnen aus den somatischen Abteilungen in nachgeordnete Behandlungen geleitet werden können (Sozialberatung, IV, Ernährungsberatung, Psychotherapie) und welche Brüche dabei drohen.

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Psychiatrie-Konzept BS-BL

Am 24. Juni 2019 stellten die Projektleiter der Gesundheitsdepartemente BS und BL ihren Plan vor, wie bis 2023 ein neues, für beide Halbkantone gültiges Psychiatriekonzept entstehen soll. Nötig wurde es, weil die StimmbürgerInnen im Februar 2019 zwar die Fusion der Spitäler abgelehnt, aber einer gemeinsamen Spitalplanung zugestimmt hatten. Wir reden in der Konzeptgruppe Erwachsenenpsychiatrie mit - und das wird schwierig, weil die versammelten Fachleute als Experten für den aktuellen und zukünftigen Bedarf angesprochen sind und zugleich die Bedürfnisse ihrer Institution zu vertreten haben.

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Kann die KIS im Unispital bleiben?

Wie zu hören ist, will die Leitung des Universitätsspitals im Zuge des Umbaus an der Schanzenstrasse die Kriseninterventionsstation, die die UPK dort betreibt, schliessen - aus Platzmangel.  In einem Brief haben wir den USB-Spitaldirektor, den Verwaltungsratspräsidenten und den Gesundheitsdirektor BS auf die aus sozialpsychiatrischer Sicht wichtige Funktion der KIS innerhalb der abgestuften Zugangsmöglichkeiten hingewiesen - analog zu unserem Engagement für die Kinder- und Jugendpsychiatrie im Herzen der Stadt, 2012 - 2016. Vorerst haben wir die beruhigende Antwort erhalten, man suche weiterhin den Dialog mit der UPK, damit die KIS zentral untergebracht bleiben könne.

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WoZ 16.1.20: Es soll den Menschen gutgehen, und zwar möglichst vielen.  Interview mit Prof. Ch. Flückiger

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Es soll den Menschen gutgehen, und zwar
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