Wie findet man den «richtigen» therapeutischen Ansatz und die «richtige» Psychotherapeutin / den «richtigen» Psychotherapeuten?

Wer psychotherapeutische Hilfe sucht, ist oft aus zwei Gründen in einer schwierigen Lage: Da ist zum einen die akute oder schon lange andauernde Not und zum andern der Wunsch, alleine damit zurechtzukommen. Darüber hinaus gibt es grosse Unterschiede zwischen den psychotherapeutischen Modellen, Theorien und Vorgehensweisen. Und schliesslich hängt das Gelingen einer Psychotherapie sehr davon ab, ob Patient:in und Psychotherapeut:in «einander verstehen», eine «ähnliche Wellenlänge» haben, den «Draht zueinander» finden.

Wenn Sie sich an unseren Kurzbeschreibungen und den ausführlichen Darstellungen (Richtungen der Psychotherapie) orientieren, diese mit Ihrem Menschenbild und Ihren Auffassungen vergleichen und sich eine bestimmte Therapieform für sich selber vorstellen können, dann können Sie anhand der Suchkriterien (therapeutische Richtung, Angebot, Problembereiche, Ort) in unserem Verzeichnis (Psychotherapeut:innen Basel-Stadt und Psychotherapeut:innen Baselland) eine Therapeutin suchen und mit ihr ein Erstgespräch führen. Sie werden schnell feststellen, ob Sie sich beim Gespräch wohlfühlen und ob Sie sich und der Therapeutin zutrauen, gemeinsam Ihr Problem anzugehen. Kompakt formuliert: Ist das Gespräch sowohl beruhigend als auch herausfordernd genug? Allenfalls hilft Ihnen ein zweites, drittes Gespräch bei einer anderen Psychotherapeutin, sich noch klarer zu werden – dies ist ein übliches Vorgehen. Auch Empfehlungen von Bekannten, Überweisungen durch Ärzt:innen oder andere Psychotherapeut:innen können dazu beitragen, geeignete Hilfe zu finden, machen aber nie das Selber-Wählen überflüssig.

Wie lange dauert eine Psychotherapie?

Fünf Monate bis fünf Jahre - wäre eine mögliche, ziemlich saloppe Antwort. Seriöser wäre es, zu sagen: Die Dauer einer Psychotherapie hängt von so vielen Faktoren ab, dass jede genaue Antwort irreführend ist.

Der wichtigste Faktor ist wohl die Zielsetzung. Ein genau umschreibbares Problem ist schneller zu verändern als ein komplexes Verhaltensmuster, Grundlagen für eine einzelne Entscheidung sind einfacher zu finden als für eine das ganze Leben betreffende Weichenstellung, ein störendes Symptom ist eher zu verstehen als eine diffuse Stimmung, eine Störung auf Grund eines einzelnen Ereignisses leichter heilbar als eine, die durch eine langdauernde Belastung oder Entbehrung entstand. Allerdings stellt sich im Verlaufe einer Psychotherapie oft etwas, was einfach aussah, als komplizierter, mit mehr Gebieten zusammenhängend heraus – wie wenn das ursprüngliche Problem nur die Spitze eines Eisbergs gewesen wäre. Dann steht man immer wieder vor der Frage: Was wage ich, was mute ich mir zu, will ich weitergehen? Psychotherapie ist immer ein Veränderungsprozess, und sich auf ihn einzulassen, ist nicht immer angenehm.

Psychotherapie ist ein Heilverfahren; die Dauer einer Psychotherapie hängt folglich auch eng damit zusammen, wie schwer, wie tiefgreifend, wie einschränkend ein Leiden, eine Störung ist, und wie lange sie schon besteht.

In engem Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel einer Psychotherapie steht die nach der Wahl der Methode. Tendenziell dauern tiefenpsychologische Therapien länger als verhaltens-, problem- und lösungsorientierte, Einzeltherapien länger als Paar- und Gruppentherapien – eben weil sie auf so unterschiedliche Ziele ausgerichtet sind.

Natürlich spielt auch das Geld eine Rolle: Wie lange darf eine Therapie überhaupt dauern? Erläuterungen zur Finanzierung von Psychotherapie finden Sie weiter unten unter dem Titel «Wer bezahlt...?». Es lohnt sich allerdings, diese Frage nicht zum alleinigen Massstab zu machen; oft findet sich im Gespräch mit der Psychotherapeutin eine Lösung, wenn die Notwendigkeit, das Bedürfnis oder der Wunsch klar ist.

Wann ist eine Psychotherapie beendet?

Eine mögliche Antwort: Dann, wenn Patient:in und Therapeut:in sich darüber einig sind, dass Symptome, Ängste, Hemmungen etc. in zufriedenstellendem Mass überwunden sind, die Patientin konfliktfreier und selbständiger lebt, wieder Freude empfindet, Beziehungen leichter gestalten kann, sich selber besser begreift und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten hat – sich auch zutraut, erneut auftretende Schwierigkeiten selber zu verstehen und zu meistern. Dann ist die Hilfe zur Selbsthilfe gelungen. Natürlich sind diese Ziele nur graduell zu erreichen, und oft ist die Erkenntnis, dass ein Ziel zu hoch gesetzt war, traurig, aber befreiend.

Kann man eine Psychotherapie abbrechen?

Ja. Juristisch gesehen, ist eine Psychotherapie ein Auftragsverhältnis; ein Auftrag kann jederzeit zurückgezogen werden, und Sie schulden der Therapeutin nur das Honorar für bereits erbrachte Leistungen (plus dasjenige für verpasste und zu kurzfristig abgesagte, bereits reservierte Stunden).

Wichtiger ist aber die Frage, weshalb eine Therapie Hals über Kopf beendet werden soll. Hat eine Äusserung des Therapeuten Sie verärgert oder verletzt? Fühlen Sie sich falsch verstanden oder beschuldigt? Halten Sie etwas zurück, was Sie schon lange hätten sagen sollen? Haben Sie den Eindruck, es gehe nicht vorwärts? Versuchen Sie, in der Therapie über Ihre Gefühle und Gedanken zu sprechen, vielleicht sogar mit Hilfe eines Briefes, holen Sie sich notfalls Unterstützung – aber gehen Sie nicht einfach weg. Krisen gibt es in jeder gut laufenden Beziehung und auch in Psychotherapien, und sie zu verstehen und gemeinsam zu meistern, bringt einen oft einen grossen Schritt weiter.

Anders liegt der Fall, wenn Ihr Therapeut Ihre persönliche oder sexuelle Integrität verletzt, sich über die Schweigepflicht hinwegsetzt oder in anderer Weise die Standesregeln bricht. Dann ist es sinnvoll, dass Sie sich direkt an die Standeskommission seines Berufsverbandes wenden (Adressen: für den VPB: Mandatsliste; für die ASP: www.psychotherapie.ch; für die FSP: Berufsethikkommission; für die SBAP: www.sbap.ch; für die FMH (Verband der Ärzt:innen): Patienten-Anlauf- und Beratungsstelle PABS der MedGes Basel und der Ärztegesellschaft Baselland)

Wird man in einer Psychotherapie abhängig?

Das Gefühl der persönlichen Bindung, das in einer Psychotherapie wächst, unterscheidet sich je nach der Arbeitsweise: Je sach- und lösungsbezogener das Vorgehen und je geringer die Therapiefrequenz und -dauer, desto mehr emotionale Distanz bleibt möglich; je intensiver und gefühlsbezogener die Therapie, desto wichtiger wird die therapeutische Beziehung. Die Färbung dieses Gefühls (z.B. ob man sich eher abhängig oder eher geborgen fühlt) unterscheidet sich je nach der persönlichen Lebensgeschichte und dem Stadium der Psychotherapie. Aber in allen seinen positiven und negativen Nuancen ist es intensive Wahrnehmung und Auseinandersetzung wert; das Ziel jeder psychotherapeutischen Behandlung ist, dass Sie Ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit bewahren, vergrössern oder wieder erringen.

Wie oft finden Psychotherapie-Sitzungen statt?

Auch punkto Frequenz gibt es grosse Unterschiede, die wiederum mit den oben genannten Kriterien des Ziels, der Störung, der Methode zusammenhängen, mit dem Gewicht, das jemand diesem Prozess geben kann/will, und auch mit der Finanzierung. Das alles lässt sich nur im Einzelfall klären. Eine Beratung kann aus einer Stunde alle paar Wochen bestehen, eine Psychotherapie findet etwa ein bis zwei Mal pro Woche statt, eine Psychoanalyse drei bis fünf Mal pro Woche.

Wie teuer ist eine Psychotherapie?

Eine Psychotherapiesitzung à 50 bis 60 Minuten kostet im Raum Basel zwischen 140 und 180 Franken. Einzelne Psychotherapeut:innen gewähren in begründeten Fällen auf Anfrage einen Sozialtarif. Klären Sie zu Beginn mit Ihrer Psychotherapeutin die Kostenfrage. Dies ist Bestandteil des Therapievertrages.

Wer bezahlt eine Psychotherapie?

Es gibt drei verschiedene Arten, eine Psychotherapie zu finanzieren: Man bezahlt sie selber, man beansprucht sogenannte freiwillige Leistungen von der Krankenkasse, oder man rechnet sie über die KVG-Grundversicherung ab.

Wer seine Psychotherapie selber bezahlt, wahrt am besten seine Unabhängigkeit, weil keinerlei Berichte an Aussenstehende (z.B. Krankenkassen) nötig werden. Wer ein Budget aufstellen will, kann davon ausgehen, dass in rund 40 Wochen pro Jahr Psychotherapie stattfindet.

Die meisten Krankenkassen richten aus den Zusatzversicherungen freiwillige Beiträge an Psychotherapie aus. Voraussetzung ist, dass die Therapeut:innen auf der Liste des Krankenkassenverbandes santésuisse stehen oder von einer der in Curafutura zusammengeschlossenen Kassen anerkannt sind (diese Bedingung erfüllen alle VPB-Mitglieder) und dass die Notwendigkeit der Psychotherapie periodisch durch einen Bericht belegt wird. Allerdings unterscheiden sich die Beiträge der Krankenkassen erheblich und reichen von grosszügig bis frech – genaue Angaben finden Sie unter www.psychotherapie.ch (zuerst "ASP", dann "Kassenleistungen" anklicken). Um Missverständnisse zu vermeiden, lassen Sie sich am besten von Ihrer Krankenkasse eine schriftliche Zusage über die Höhe der Leistungen geben.

Aus der Grundversicherung dürfen die Krankenkassen Psychotherapie bei psychologischen PsychotherapeutInnen vorerst nur dann bezahlen, wenn es sich um so genannte «delegierte Psychotherapie» handelt (eine Änderung, nämlich die Einführung des Anordnungs-Modells, ist derzeit politisch unterwegs und wird ab dem 1. Juli 2022 eingeführt). Delegation bedeutet, dass die Psychotherapeut:in unter der Verantwortung einer Ärztin / eines Arztes arbeitet. In diesem Fall vergütet die Krankenkasse 90% des fixen Stundenansatzes, und 10% sind von Ihnen als Selbstbehalt zu tragen. Psychotherapie bei Psychiater:innen wird wie jede andere ärztliche Leistung über die Grundversicherung abgerechnet, d.h. 10% des Rechnungsbetrages haben Sie als Selbstbehalt zu übernehmen. Zurzeit kostet eine Sitzung bei einem Psychiater ca. Fr. 170.- bis 200.- pro Stunde.

Was unterscheidet Psychotherapeut:innen von Psycholog:innen und Psychiater:innen?

Psycholog:innen haben ein Hochschulstudium in Psychologie abgeschlossen, welches nicht notwendigerweise eine Psychotherapieausbildung beinhaltet.

 

Psychologische Psychotherapeut:innen sind PsychologInnen, die zusätzlich eine psychotherapeutische Spezialausbildung in mindestens einer wissenschaftlich anerkannten, bewährten Therapiemethode abgeschlossen haben (Psychotherapeut:n ASP / VPB / SBAP, Fachpsycholog:in für Psychotherapie FSP). Sie sind dafür ausgebildet, seelisch leidende und kranke Menschen zu behandeln. (Details siehe weiter unten unter: «Wie sieht die Ausbildung in Psychotherapie aus?»)

 

Psychiater:innen sind ärztliche Psychotherapeut:innen, haben ein Studium in Medizin, eine spezialärztliche Weiterbildung in psychiatrischen Institutionen und eine Psychotherapie-Ausbildung abgeschlossen (Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie). Sie sind Fachleute für schwere Geisteskrankheiten und deren medizinisch-psychiatrische Behandlung, und sie dürfen Medikamente verschreiben.

 

Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen machen ihre psychotherapeutische Spezialausbildung oft gemeinsam und sind auf vielen Gebieten gleich qualifiziert, unterscheiden sich aber durch ihr Grundstudium (Psychologie versus Medizin) in ihrem psychologischen und medizinischen Grundkenntnissen.

Wie sieht die Ausbildung in Psychotherapie aus?

Die Ausbildung zum Beruf eines psychologischen Psychotherapeuten, einer psychologischen Psychotherapeutin ist dreistufig:

  1. Die Grundausbildung ist in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Psychologie.
  2. Daran schliesst sich ein mindestens einjähriges klinisches Praktikum an und
  3. die Spezialausbildung zum Psychotherapeuten, zur Psychotherapeutin, die etwa 4-5 Jahre dauert.

Geregelt ist die Ausbildung im Schweizerischen Psychologieberufe-Gesetz PsyG.

 

Die Ausbildung vom Arzt zum Psychiater verläuft nach eigenen Standesregeln.